„Etwas ganz Besonderes“ – Schauspieler Sebastian Urzendowsky zu „Babylon Berlin“

Sputnik traf Urzendowsky, der in der Serie den Eisenbahner Max spielt, bei der Eröffnung der Fotoausstellung von Starfotograf Joachim Gern. Gern hatte monatelang die Dreharbeiten begleitet, seine Arbeiten können seit Donnerstag in der Galerie KanyaKage in Berlin-Kreuzberg bewundert werden.

Sebastian, heute ist die große Eröffnung der Fotoausstellung “Babylon Berlin”. Wie ist dein Eindruck davon?

Ich kannte einige von den Bildern schon, aber es ist schön, sie noch einmal so groß abgezogen zu sehen und in einer solchen Auswahl. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Joachim gemacht hat und was in dem Buch zu sehen ist. Aber ich finde es sehr schön, zu sehen, wie es gehängt ist. Ich mag seine Fotos einfach wahnsinnig gern, er ist ein toller Fotograf und Künstler!

Bei „Babylon Berlin“ taucht man in das Berlin der 20er Jahre ein. Verglichen mit dem modernen Berlin, erkennt man einiges wieder, manches ist aber auch ganz anders. Wie war es für dich, in diese Welt von vor fast 100 Jahren einzutauchen?

Ich hatte einen Heidenspaß daran! Ich mag diesen Stil wahnsinnig gern, die Ästhetik aus der Zeit. Ich möchte nicht unbedingt darin gelebt haben – mit dem Wissen, was danach alles kam, bin ich froh, dass ich nicht drin war. Aber in diese Zeit eintauchen zu dürfen, aus der heutigen Bequemlichkeit heraus, war super.

In die Dreharbeiten wurde viel Arbeit reingesteckt, beispielsweise wurde extra der Alexanderplatz gesperrt. Wie aufwendig war es, die heutige Welt in die damalige zu verwandeln?

Es war irre aufwendig! Ich glaube, das war tatsächlich eine der aufwendigsten Serien, die Deutschland jemals produziert hat. Da ist unglaublich viel Anstrengung von allen Departments, die beteiligt waren, reingeflossen. Aber das Schöne war, dass bei allen so eine Begeisterung war und das Bewusstsein, dass man hier etwas ganz Besonderes macht. Das setzt dann nochmal Kräfte frei.

Als Schauspieler muss man sich ja immer reinversetzen – in die Person, in die Zeit, in die Stimmung. Wie hast du das gemacht?

Es ist ja trotzdem alles menschlich, und deswegen kann man sich da auch reinversetzen. Du musst halt die Umstände verstehen, das ist es, wo du mitdenken musst. Die Emotionen an sich sind aber menschliche und damit gleiche.

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Wie viel Vorarbeit erfordert ist, die Umstände zu verstehen?

Wir hatten ganz tolle Jours Fixes, wo wir uns alle getroffen haben. Wir haben zusammen „Weltbühne Berlin“ geguckt, wir haben uns Vorträge angehört. Es hat von vorn herein eine familiäre Stimmung gegeben. Man hat sich einmal die Woche getroffen und zur Vorbereitung Materialien angeguckt. Das hat wahnsinnig geholfen. Noch mehr spezifische Vorbereitung haben andere gebraucht, je nach dem, was die Rolle erfordert. Sie mussten teilweise Schießen lernen oder Tanzen. Gerade Volker (Volker Bruch in der Hauptrolle als Gereon Rath, Anmerkung der Redaktion) und Liv (Liv Lisa Fries in der Hauptrolle als Charlotte Ritter, Anmerkung der Redaktion) haben wahnsinnig viel an Vorbereitung investieren müssen. Aber es macht mega Spaß!

Musstest du etwas lernen, was du noch nie gemacht hast?

Nein, in dem Fall nicht. Oder doch: Ich musste Kontaktlinsen reinsetzen. Das habe ich noch nie gemacht und das hat mich Überwindung gekostet. (lacht)

Die Figur, die du spielst – Max – ist sozusagen eine gebrochene Figur. Sie hat zwei Seiten. Erst kommt Max ganz charmant daher, ist ein netter Typ. Und dann stellt er sich als Handlanger eines Mafia-Bosses heraus. Wie hast du mit dieser Figur gearbeitet?

Genau darin besteht die Spannung einer Figur. Dass sie mehr als nur ein Gesicht hat. Ich glaube, das Wichtige ist, dass du es vorher nicht verrätst. Aber das ist auch schon im Buch so festgehalten. Es ist so geschrieben, dass du erst den Charme des jungen Typen hast, diese Leichtigkeit von dem Flirt. Und im nächsten Moment kippt es – jetzt aber Butter bei die Fische! Da kommt diese Härte durch und man setzt einen Kontrast. Die Autoren sind aber so gut – es steht eigentlich eh schon alles so da.

Die Serie ist ein durchschlagender Erfolg. Hast du das erwartet?

Naja, wir wussten, dass es was Besonderes ist, das entweder angenommen werden wird oder eben floppt. Das kannst du vorher nie sagen. Auch, dass es erst auf Sky rauskam und dann im Öffentlich-Rechtlichen – ob das funktioniert, weißt du nicht. Da gab es auch ein bisschen Gegenwind, es wurde immer wieder nachgefragt. Insofern ist es eine Wahnsinnsfreude und auch Erleichterung, dass es so gut angenommen wird.

Letzte Frage: Was nimmst du daraus mit? Sowohl aus dieser Zeit als auch aus der Serie?

Ich habe Lust auf Mehr!

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Das komplette Interview mit Sebastian Urzendowsky zum Nachhören:

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